VON DAVID MAXFIELD
VP Research bei VitalSmarts | Co-Author von Crucial Conversations®, Crucial Accountability® und Influencer

Wie man mit egozentrischen Menschen umgeht

Lieber David,

wie geht man mit jemanden um, der so selbstbezogen ist, dass sich alles nur um ihn dreht?
Mein 14 jähriger Sohn ist so, aber ich erlebe dieses Muster genauso bei Kollegen und Vorgesetzten in der Arbeit. Manchmal frage ich mich, ob die Welt nur noch aus Egoisten besteht.

Beste Grüße, G. Nervt

 


 

Lieber G. Nervt,

Ich habe Erfahrungen aus meinem eigenen Leben mit diesem Problem, weil meine Eltern das gleiche Problem mit ihrem ältesten Sohn, nämlich mir hatten. Ich halte ihre Anschauung für wertvoll und wende sie an.

Mit 14 war ich ein guter Junge. Ich war ziemlich gut in der Schule und hielt mich von Schwierigkeiten fern, aber ich war das Zentrum meines eigenen, kleinen Universums. Es ging mir eigentlich nur um mich.

Meine Eltern drückten das so aus, “wenn Du meinst, dass Du Hilfe brauchst, hilf jemand anderem!“ Das wurde ihr Rezept für mich. Sie meldeten mich für ein Sommercamp, 100 Meilen von zu Hause entfernt an. Ich sollte in Kansas City für einen gemeinnützigen Verein Häuser renovieren.

Plötzlich war ich auf mich gestellt. Plötzlich hatte ich viel Freiheit und Verantwortung. Ich musste meine Verkehrsmittel (den Greyhound Bus) finden, mich um mein Gepäck (Vaters alten Seesack) kümmern und einpacken was ich brauchte. Ich kam ohne Toilettenartikel an, uups! Wir waren acht ehrenamtliche Helfer, in jenem Sommer. Wir teilen uns einen großen Schlafraum, aßen zusammen, aber vor allem arbeiteten wir zusammen.

Nur wenige von uns verfügten über Tischler-Fähigkeiten. Ich jedenfalls nicht. Wir hatten jedoch mehrere Teamleiter, die uns einarbeiteten und uns halfen mithalten zu können. Am wichtigsten war, dass die Familien, die diese Häuser später bewohnen sollten, mit uns zusammenarbeiteten. Sie waren unsere eigentlichen Chefs und darüber hinaus viel mehr als das. Sie waren so dankbar und stellen uns auf derart hohe Sockel, dass es für uns zur wichtigsten Aufgabe wurde, selbst unrealistisch hohe Erwartungen zu erfüllen.

So hörte es auf sich, um mich zu drehen. Es ging jetzt um die anderen. Eine Erfahrung die mein Leben veränderte und folgendermaßen gelang:

  • Ich hatte die Freiheit gute und schlechte Entscheidungen zu treffen. Keiner hielt meine Hand oder überwachte mich in unmittelbarer Nähe, um zu aufzupassen, dass ich keinen Mist baute.
  • Ich war für mich selbst verantwortlich. Ich musste herausfinden, wie ich nach Kansas City kam, was ich mitnehmen sollte und wie ich mit meinen minimalen Budget auskam.
  • Ich war für den Erfolg eines anderen verantwortlich. Es ging um die anderen, nicht um mich.

Ich möchte jedoch nicht behaupten, dass mich ein einziger Sommer von einem Egoisten in einen selbstlosen Menschen verwandelt hat. Als es Zeit wurde mich für ein Studium einzuschreiben, boten mir meine Eltern großzügigerweise finanzielle Unterstützung an, aber nur wenn es mindestens 1500 Meilen von zu Hause entfernt sein würde. Wir lebten in Kansas, mir blieben also die beiden Küstenregionen zur Wahl. Sie wollten, dass ich das Nest verlasse.

Meine Frau und ich hatten die Gelegenheit diese Prinzipien an anderen jungen Leuten zu testen. Wir haben keine Kinder aber 24 Nichten und Neffen. Einige davon haben wir eingeladen den Sommer mit und zu verbringen, als sie Teenager waren. Wir warnten sie, dass sie arbeiten müssten, da meine Frau und ich Vollzeit arbeiteten. Wir boten ihnen aber auch Spaß und eine bedeutsame Zeit.

So meldeten wir sie für eine vierzig Stunden Woche, bei einem lokalen gemeinnützigen Verein an, der sich um verwunderte Soldaten kümmerte. Sie mussten jeden morgen um acht Uhr da sein und fünf Meilen mit dem Fahrrad fahren, um dort hinzukommen. Die Schwierigkeit war, dass nur die Hälfte der Strecke geteert war. Der Rest der Strecke war über Stock und Stein in den Bergen, eine der schönsten Pfade in Utah. Alle Kids lernten das Mountainbiking zu lieben. Aber zurück zur Sache ...

Ich nehme mal unseren vierzehn jährigen Neffen als Beispiel. Es war sein Job die Kletterwand und den Hochseilgarten zu sichern. Das hieß, dass er das Seil hielt, das die verwundeten Soldaten am Fallen hielt. Eines Tages sagte er, er wolle mit uns sprechen. Er erzählte folgende Geschichte:

„Heute arbeitete ich an der Kletterwand mit einem Mann, der teilweise durch eine IED gelähmt ist. (IED steht für Improvised Explosive Device, Anm. d. Ü.). Es viel ihm schwer aber er machte es sehr gut. Dann sagte er, dass er zur Toilette müsse. Ich sagte “natürlich“ und er sagte, “Du musst mir dabei helfen“. Ich musste ihm rauf und runter von der Toilette helfen! Er verhielt sich, als wäre es die normalste Sache der Welt. Es war ihm nicht peinlich und er hatte kein Selbstmitleid, sondern er war darüber besorgt, wie es mir damit ging.“

Das sind die Erfahrungen, die Menschen über den eigenen Tellerrand hinaussehen lassen.

Wir bemühten uns auch, einen Rahmen für Freiheit und Eigenverantwortung zu bieten. Beispielsweise gaben wir unserem Neffen ein wöchentliches Budget für Essen und ließen ihn seine Mittagsmahlzeit einkaufen und herrichten. Er bewohnte unser Gästezimmer und wir hielten ihn an sein Bad, nach unseren Vorstellungen sauber halten. Zudem war er für zwei Abendessen in der Woche verantwortlich, und zwar für Planung, Einkauf, Zubereitung und Servieren und darüber hinaus war er für die Wartung seines Mountainbikes verantwortlich.

Hier ein paar lustige Begebenheiten: Das erste Mal, als er seinen wöchentlichen Lunch-Vorrat einkaufen sollte, erstarrte er regelrecht vor der Frische-Theke im Supermarkt. Es waren zu viele

Möglichkeiten zur Auswahl. Als er das erste Mal sein Bad sauber machte, brauchte er eine halbe Stunde dafür. Ich nahm eine Stoppuhr und sagte, er müsse es in 5 Minuten schaffen. Wir trainierten das Toilette und Dusche putzen, wie eine Art Brandschutzübung.

Nun, wirken diese Strategien nur bei Teenagern? Wie kann man das, auf egozentrische Manager übertragen?

Wenn man sich die Karrieren von Mitarbeiter ansieht, vertiefen sich die meisten zunächst in einem Spezialfeld, bevor sie in ein breiteres Verantwortungsfeld hineinwachsen. Ihre Sichtweise wird in einem spezifischem Fachgebiet, einer engen Funktion oder Region geformt, bei der sie keine Gelegenheit hatten, einen weitgefassten unternehmensweiten Blickwinkel einzunehmen. Von außen gesehen, wirkt ihre enge Sichtweise egozentrisch oder egoistisch.

Meine wichtigste Botschaft ist, dass es keiner Lektion, langer Rede oder Training bedarf, sondern der persönlichen Erfahrung, um die Perspektive von Menschen zu verändern. Wenn möglich, geben Sie diesen Managern eine bereichsübergreifende Verantwortung, eine Funktion, in der sie Verantwortung für eine andere Gruppe übernehmen müssen.

Natürlich werden sie nicht immer in der Lage sein, persönliche Erfahrungen für andere zu kreieren, deshalb werde ich Ihnen auch einen direkten Rat geben. Gebieten Sie Einhalt. Gehen Sie nicht davon aus, eine egozentrische oder egoistische Person ändern zu können. Anstelle davon ziehen Sie eine deutliche Grenze bezüglich dessen, was Sie ohne sie erreichen können und was Sie von ihnen brauchen.

Viel Glück, David

Heikle Gespräche

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