Beitrag von Joseph Grenny | Mitgründer von VitalSmarts@ | Bestsellerautor von Crucial Conversations®, "Crucial Accountability® und Influencer

Wie Du Deinen CEO zur Verantwortung ziehen kannst

Lieber Joseph,
ich gehöre zur Führungsriege eines Unternehmens, das sich in der Anfangsphase eines grundlegenden kulturellen Wandels befindet. Wenn ich über die vor uns liegende Herausforderung nachdenke, wird mir bewusst, dass ich unserer Geschäftsführerin nicht zutraue, uns durch diese Veränderung zu führen. Ich schätze und respektiere unsere CEO, aber mir scheint, als sei sie nicht fokussiert genug, um uns voranzubringen. Ihre Prioritäten sind unklar, verschieben sich häufig und Projekte, die sie übernimmt, bleiben oft liegen. Wie kann ich ein Gespräch mit ihr führen, das zu mehr Klarheit und Ausrichtung führt und die Abstimmung unter uns fördert? Ich möchte uns alle unterstützen, diese Veränderung gemeinsam erfolgreich zu bewältigen.

Unterzeichnet,
C. E. Uh—Oh.

Geschätzter C. E. Uh—Oh.,

weißt Du, dass Du zum besten Freund Deiner Geschäftsführerin werden kannst? Nach allem was ich von Dir höre, hoffe ich, dass es so sein wird. Erstens, weil Du Deine CEO schätzt und sie respektierst; und zweitens, weil Du wichtige Informationen hast, um ihr helfen zu können, bei einer der bedeutendsten Herausforderungen ihrer Karriere erfolgreich zu sein. Soweit ein Kinderspiel. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist: Liegt Dir mehr an ihr und dem Unternehmen als an Deiner Komfortzone? Wenn Du wirklich einen Beitrag für Deine Firma leisten und jemandem helfen willst, den Du magst und respektierst, dann schlage ich Dir Folgendes vor:

1. Überprüfe Deine Wahrnehmung. Du scheinst Deiner Meinung sehr sicher zu sein. Prüfe nun, ob Deine Sichtweise auf soliden Fakten basiert und nicht nur auf Deinen persönlichen Urteilen und Einstellungen. Frage Dich:

  • Haben andere Kollegen ähnliche Verhaltensmuster bei ihr bemerkt?
  • Sind diese Schwächen für das bevorstehende Projekt wirklich so relevant, wie Du denkst?
  • Wird sie von anderen sachkundigen Kollegen möglicherweise komplett anders wahrgenommen?

Stellen sich Deine Bedenken als fundiert heraus, dann:

2. Bereite Dein Anliegen vor. Die Hausaufgaben vor einem heiklen Gespräch bestehen darin, Fakten zu sammeln. Wenn Du Deiner CEO helfen willst, brauchst Du genügend Argumente, mit denen Du ihr klar machen kannst, dass es ein Problem gibt.

  • Du musst konkrete und überzeugende Beispiele bringen, um das von Dir behauptete Problem des mangelnden Fokus und die daraus entstehenden Folgen zu belegen.
  • Du musst beweisen, dass es sich dabei um ein durchgängiges Verhaltensmuster handelt, das nicht einfach wegzudiskutieren ist.
  • Du brauchst ein gutes Argument dafür, warum sich diese Schwächen nachteilig auf den Änderungsprozess auswirken werden.

Wenn Du Dir sicher bist, dass Deine Argumente stark genug sind, geht es folgendermaßen weiter:

3. Bereite Lösungen vor. Was schlägst Du ihr vor, das sie tun soll? Wenn Deine Lösung indirekt beinhaltet: „Ändere Deinen seit Jahrzehnten praktiziert Arbeitsstil und Deine Persönlichkeit grundlegend“, wirst Du ihr keine Hilfe sein.
Zu den konstruktiv möglichen Optionen gehören:

  • Benenne jemanden, der für diese Aufgabe geeignet ist!
  • Involviere Kollegen, die Dich dabei unterstützen, Deine Schwächen auszugleichen!“
  • Tritt zugunsten von jemandem, der besser qualifiziert ist, zurück!

Letzteres ist ein extremer Lösungsvorschlag, aber wenn es das ist, was Deiner Meinung nach das Richtige für das Unternehmen und für Dich ist, solltest Du diesen Standpunkt darlegen. Sollten die ersten beiden funktionieren, bringe Vorschläge für diese Optionen ein.

4. Halte das Gespräch aufrecht. Folgende Schritte ermöglichen Dir, Deine Chefin einzubeziehen:

  • Bitte um Erlaubnis. Lass sie wissen, dass Du tiefgreifend über das bevorstehende Veränderungsprojekt nachgedacht hast, und dass Du einige Bedenken hast. Frage sie, ob es in Ordnung ist, wenn Du ihr Feedback dazu gibst. Um Erlaubnis zu bitten hilft anderen, sich emotional sicherer zu fühlen.
  • Erkläre Deine Motivation. Schaffe mehr Sicherheit, indem Du Deine Motivation deutlich machst. "Ich habe Gründe zur Annahme, dass der Versuch scheitern könnte. Diese Bedenken möchte ich Dir mitteilen. Natürlich ist das meine Sicht der Dinge und womöglich siehst Du das anders. Ich würde mich Dir und dem Unternehmen gegenüber jedoch nicht loyal fühlen, wenn ich meine Meinung zurückhalten würde."
  • Biete, falls erforderlich, Beweise an. Bringe es auf den Punkt. Lass sie direkt wissen: „Ich denke, der wichtigste Indikator für den Erfolg wird konsequentes Handeln und eine reibungslose Umsetzung sein. Das sind nicht immer Deine Stärken.“ An dieser Stelle musst Du Beweise auf den Tisch legen. Wenn sie ihre Schwächen offen anerkennt, brauchst Du möglicherweise keinen Nachweis zu erbringen.
  • Lade zum Dialog ein. Nachdem Du Deinen Standpunkt dargelegt hast, lade sie ein, dies zu hinterfragen. „So sehe ich es, aber ich weiß, dass ich falsch liegen könnte. Ich hoffe, dass Du meine Motivation verstehst. Wie siehst Du es? Siehst Du es anders?
  • Bringe Lösungsvorschläge ein. Wenn sie Deine Meinung teilt, biete Deine Lösungen an.

Indem Du ihr aufrichtig Deine Meinung mitteilst, machst Du ihr ein Geschenk wahrer Freundschaft und Loyalität. Dazu wünsche ich Dir das Beste.

Mit freundlichen Grüßen,
Joseph

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